Dienstag, 6. November 2012

Nach Bonn nun also auch Wien!

Presse-Mitteilung der "Initiative Liberaler Muslime Österreich" (ILMÖ) vom 05.11.12

ILMÖ warnt vor dubiosem Zentrum der wahabitischen Sekte in Wien

Man kann es kaum glauben, die Errichtungsurkunde eines ultrakonservativen und fundamentalistischen wahabitischen Zentrums mit dem Namen „König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkult-urellen Dialog“, wurde von Österreich, Saudi-Arabien und Spanien unterzeichnet. Doch die Beteiligung des äußert konservativen saudischen Klerus hat bereits im Vorfeld für eine Kontroverse gesorgt.

Bereits am 15. April 2008 anlässlich der feierlichen Benennung des Muhammad-Asad-Platzes vor der UNO-City, an welcher der Generalsekretär der König-Abdul-Aziz-Stiftung für Forschung und Archive, Fahad Samari in Wien teilnahm, kursierte diese Idee.

Die ehemalige Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (ÖVP) wird eine interimistische Führungsposition im „Internationalen Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ am Wiener Schottenring einnehmen. Wie das vom saudi-arabischen Königreich finanzierte Dialogzentrum in einer Aussendung bekanntgab, soll Bandion-Ortner als stellvertretende Generalsekretärin fungieren. Zum Generalsekretär bestimmte die Aufbaukommission den saudischen Vize-Bildungsminister und engen Vertrauten von König Abdullah, Faisal bin Abdulrahman bin Muammar.

Dieses Zentrum soll einen ähnlichen diplomatischen Status wie UNO, OPEC und der Vatikan erhalten.

Das ist ein eindeutiger historischer Fehler und stört den religiösen und sozialen Frieden in ganz Europa.

Ein Monsterzentrum mit einem Status wie der Vatikanstaat und unter der Führung vom saudischen Vizeunterrichtsminister Faisal bin Abdulrahman bin Muammar dient, unter dem Vorwand des Dialoges, nur den politischen und religiösen Absichten Saudi-Arabiens im Ausland.

Diesbezüglich hat Rabbi David Rosen, Kritik an der interimistischen Führung des Dialogforums geübt. Sollte der saudi-arabische Vize-Bildungsminister Faisal bin Abdulrahman bin Muammar auch nach der formellen Gründung an der Spitze der neuen internationalen Organisation bleiben, wäre das "wirklich ein Grund zur Sorge", sagte Rosen in einem von „der Standard.at“ veröffentlichten Interview.

Außerdem gibt es eine schriftliche parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Mag. Alev Korun, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten betreffend dem missverstandenen Dialog: Denn nur sehr wenige Politiker unterstützen das "Internationale König-Abdullah-Bin-Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog".

Der Großscheich der Al-Azhar-Universität, Ahmed El Tayeb, eine der größten theologischen Instanzen des Islam, warnte davor, Saudi-Arabien eine Plattform für ein wahabitisches Megazentrum in Wien zu bieten. Es sei ja bekannt, welche Unruhe die Saudis mit solchen Zentren weltweit gesät hätten und welche Doktrin dahinterstecke.

Die Initiative Liberaler Muslime Österreich – ILMÖ ist gegen das Wahabitische Zentrum in Wien, da diese radikale Islamische Sekte für Österreich, Spanien und ganz Europa eine Gefahr darstellt und die Integration der Muslime durch eine ultra-fundamentalistische-konservative Islam Auslegung verhindert.

Ausgerechnet das berüchtigte wahabitische Saudi-Arabien will den interreligiösen Dialog fördern, in dem unzählige Verfehlungen gegen die Menschenrechte bekannt sind und in deren religiöser Sekte alles Moderne verboten ist. In dieser Glaubensrichtung sind sogar alle Handlungen oder Verhalten verboten, die zu einer verbotenen Tat führen könnten. Bis vor kurzem waren Musik und Fernsehen, wegen des möglichen schlechten Einflusses verboten, von vielen religiösen wahabitischen Führern werden Musik und Fernsehen immer noch abgelehnt.

Der Gründer des Wahabismus Muhammad ibn Abd al-Wahhab begann seine Missionierung 1731. 1740 verkündete er in Huraimala nahe Raid seine puritanischen Glaubenssätze zur Reinigung des Islam. Er legte sie als einzige religiöse Wahrheit für die Muslime und alle anderen Religionen fest. Der Wahabismus beruht auch auf Ibn Taimiya einem Befürworter von Selbstmordattentaten. Glaubensauffassungen, die mit der ihren nicht vereinbar sind, erscheinen ihnen deshalb schnell als Irrtum, was ihnen in der Gesamtheit der muslimischen Gemeinschaft und darüber hinaus den Ruf der Intoleranz und des Fanatismus eingebracht hat. Kennzeichnend für den Einfluss der Wahabiten sind folgende Praktiken im öffentlichen Leben: Verbot des Autofahrens für Frauen, Verbot für Frauen sich in der Öffentlichkeit mit fremden Männern zu zeigen, öffentliche Strafen wie Hinrichtungen mit den Schwert, Steinigung der Frauen und Auspeitschungen, keine Gleichberechtigung der Frauen und viele andere elementare Grund- und Freiheitsrechte fehlen.

Tatsächlich ist der aus Saudi-Arabien stammende Wahabismus eine radikale Spielart des Islam. Die Unterdrückung der Frauen, Steinigungen, Hand abhacken, die Todesstrafe vor allem durch Köpfen mit dem Schwert, stehen auf der Tagesordnung in Saudi-Arabien, was auch gegen die Menschrechte verstößt.

Die wahabitische Sekte (rund 1 % aller Muslime) lehnt als Minderheit die Mehrheit aller anderen Muslime sowie alle anderen Religionen und Andersdenkende ab.

Wie können die Saudi Wahabiten von Dialog sprechen, wenn sie als Minderheit mit rund 26 Millionen Einwohnern (davon rund 5,5 Millionen Ausländer) die Mehrheit der Muslime (etwa 1,6 Milliarden) und andere Religionen nicht einmal anerkennen.

Es ist daher völlig ausgeschlossen und nicht durchführbar, dass diese radikale islamische Sekte einen Dialog mit anderen Religionen im Namen der Gesamtheit des Islam führen kann und wird.

Darüber hinaus ist diese wahabitische Minderheiten-Sekte nicht repräsentativ für alle Muslime und als islamische Richtung von der Mehrheit der Muslime nicht anerkannt.

Bei Alkohol- und Drogenkonsum oder Ehebruch drohen drakonische Strafen bis zur Enthauptung. Radikale Wahabiten warnen vor modernen Einflüssen in Saudi-Arabien. Ikhwan („Brüder“) genannte wahabitische Kämpfer brachten 1979 vorübergehend die Große Moschee in Mekka in ihre Gewalt.

Kampf gegen das Fremde: Die Wahabiten sehen sich als Krieger für die reine Lehre des Islam, ihr Anspruch auf Reinheit des Islam richtet sich explizit gegen jede Art von fremdem politischen und kulturellen Einfluss, vor allem gegen die säkulare Wissenschaft auf heiligem Boden. Der Wahabismus ist eine Lehre, die die Frauen vom Lenkrad verbannt und ihnen in konservativeren Landstrichen auch Gesang, Parfüm (wegen Alkoholgehalt) und Bilder verwehrt und sich genauso unerbittlich wie gegen Außeneinflüsse auch gegen das kulturelle Erbe des islamischen Orients wendet, dessen Charakteristikum die Vielfalt ist. Für die Wahabiten gibt es keinen Islam außer dem ihren. Die Liste der Verbote vor allem gegen Frauen ist sehr lang geworden.

Die wahabitischen Ikhwan (wahabitische Brüder) sandte man als Mudschahidin unter der Führung des Terroristen Osama Bin Laden nach Afghanistan. Dort - wie bereits in Pakistans Koranschulen - hat Abdul Wahhabs Lehre inzwischen über Saudi-Arabien hinausgegriffen und unter den zehntausenden von ägyptischen, sudanesischen, algerischen und anderen Freiwilligen auch in anderen islamischen Ländern an Boden gewonnen.

Ikhwan kämpften als „Gotteskrieger“ gegen die Sowjets in Afghanistan. In den Folgejahren sorgten dort die Mudschahidin mit ihren Koranschulen für eine Verbreitung der „reinen Lehre Wahhabs“ in weitere islamische Länder. Aus Reihen dieser Anhänger rekrutieren auch Terrororganisationen Freiwillige für ihren „Heiligen Krieg“.

Export und die Finanzierung von Extremismus und Terrorismus sind das Ziel, während die saudi-arabische Gesellschaft einer strengen Zensur unterliegt, Internet als Gefahr gesehen wird, Demonstrationen verboten sind, sowie Demokratie und Menschenrechte unbekannt sind.

Dieses dubiose wahabitische Zentrum in Wien, das darauf hinzielt Saudi-Arabien im Ausland salonfähig zu machen, bringt Skandale und Schande für alle Befürworter und stellt einen Verstoß gegen den Geist der Menschenrechte im modernen Österreich und Europa dar.
Neben zahlreichen Mitarbeitern in diesem Zentrum gibt es bis zu hundert Mitglieder im Beirat dieser Einrichtung. Es ist zu befürchten, dass viele im Beirat einem radikalen-politisch organisierten und nationalistisch-fundamentalistischen Islam angehören werden. Der diplomatische Status und die Immunität sind für Wahabiten, Muslimbrüder, nationalistische islamische Fundamentalisten, Salafisten und radikale Islamisten ein ideales Mittel um ihre Ideen und konservative Propaganda in ganz Europa zu verbreiten. Sie werden nicht nur in Österreich, sondern auch in ganz Europa die Integration der Muslime empfindlich hemmen sowie die Sicherheit und den sozialen Frieden ernsthaft bedrohen. Das Beispiel Bosnien zeigt uns wie gefährlich solche Einflussnahmen sein können.
Das Prinzip der Reziprozität müsste aber den Bau nichtmuslimischer Sakralbauten in Saudi-Arabien als selbstverständlich scheinen lassen. So wie der Islam in Europa muss auch die Christliche Religion in Saudi-Arabien ihre Religionsfreiheit erhalten.
Die von der ILMÖ beantragte Errichtung einer Christlichen Kirche in Saudi-Arabien wäre ein Beginn und könnte unter Beweis stellen, dass dieses neue Zentrum in Wien tatsächlich substantiell an einem friedlichen religiösen Miteinander arbeiten möchte; sonst wäre dieses Dialogzentrum eine Lüge.

Amer Albayati
Initiative Liberaler Muslime Österreich – ILMÖ