Sonntag, 11. November 2012

Hilflosigkeit oder Verlogenheit?

Salafisten in Mönchengladbach
"Der radikale Islam wächst in Deutschland schneller denn je. Junge Menschen, Migranten und Deutsche, werden zu Anhängern einer hasserfüllten Gewalt-Ideologie. Die Politik erscheint hilflos" - so die Darstellung des Journalisten Florian Flade am Freitag in einem Artikel der "Welt" mit dem bemerkenswerten Titel "Die salafistische Verführung in Deutschland".

Hilflos? Bei dieser Vokabel stutzt man sofort, denn Hilflosigkeit setzt einen Wunsch, eigentlich einen starken Drang zur Lösung eines Problems oder zur Bekämpfung einer Bedrohung voraus. Einen solchen starken Drang jedoch konnte man in den letzten Jahren lediglich bei dem hessischen Ausnahmepolitiker Ismail Tipi erkennen, der nicht nur unermüdlich vor dem Salafismus warnt, sondern auch mit seinem 6-Punkte-Konzept konkrete und sinnvolle Gegenmaßnahmen vorgeschlagen hat. Ein gewissen Drang zur Bekämpfung dieser Bedrohung konnte man noch bei dem niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann und bei Bundes-Innenminister Hans-Peter Friedrich erblicken - das war's dann aber auch schon.

Von den genannten Politikern abgesehen ist jedoch bei keinem einzigen deutschen Politiker ein ernsthafter Wille zu erkennen, tatsächlich etwas gegen diese Bedrohung zu unternehmen. Schlimmstes Beispiel ist unverändert das Bundesland Nordrhein-Westfalen, in dem seit August 2010, als sich die Salafisten in Mönchengladbach erstmals öffentlich bemerkbar gemacht haben, zwar endlos geschwätzt wird - aber abseits dieses Geschwätzes wurden Strafverfahren gegen hochrangige Salafisten wie am Fließband eingestellt. Davon, dass man sich in NRW nicht mal dazu aufraffen konnte, einen Top-Gefährder wie Sami Aidoudi endlich dahin zurückzuschicken, wo er hergekommen ist, einmal ganz zu schweigen. Alle diese Dinge jedoch verschweigt Florian Flade, stattdessen präsentiert er seinen Lesern ausgerechnet NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) - also jenen Politiker, der bis heute jede konkrete Maßnahme gegen Salafisten verweigert - als das Beispiel eines Politikers, dem die Salafisten "große Sorgen machen". Schon alleine das qualifiziert seinen Artikel in der "Welt" zu einem zutiefst verlogenen Beitrag zur Salafisten-Debatte.

In diesem Beitrag stellt er immer wieder unterschwellig die Frage, wie es nur geschehen konnte, dass sich immer mehr Jugendliche in Deutschland vom Salafismus angezogen fühlen? Was eine müßige Frage ist, denn dass totalitäre Ideologien, die mit dem Gefühl verbunden sind, zu den "Auserwählten" zu gehören, für junge Menschen einen gewissen Reiz haben, sollten nach den Nürnberger Reichsparteitagen eigentlich auch deutsche Journalisten mitbekommen haben. Viel interessanter wäre die Frage gewesen, die Herr Flade nicht stellt: Warum wird es deutschen Jugendlichen so einfach gemacht, sich den Salafisten anzuschließen?

Sich irgendwelchen Rechtsextremisten anzuschließen wird deutschen Jugendlichen - glücklicherweise - nicht einfach gemacht: Da gibt es den sogenannten "Kampf gegen Rechts", der mit jedem Jahr, mit dem das NS-Regime mehr zur Vergangenheit gehört, umso erbitterter geführt wird. Zuweilen auch mit einer medialen Hysterie, die an die Nazis selbst erinnert - so haben wir beispielsweise aktuell damit zu tun, dass eine einzige Nazirike im deutschen Knast von den Medien zu einer beispiellosen Hysterie benutzt wird, so zu tun, als stünde des 4. Reich unmittelbar bevor. Der Betreiber dieses Blogs ist da traditionell ambivalent: Einerseits ist das Engagement gegen Rechtsextremismus richtig und wichtig, andererseits ist es längst unübersehbar, dass linke Journalisten dieses wichtige Engagement dazu missbrauchen, die demokratische Rechte zu diffamieren.

Ein Gutes jedoch hat dieses Engagement gegen Rechtsextremismus: Jugendliche sind sensibilisiert. Jugendliche haben ein Gefühl dafür, wie gefährlich und auch verwerflich es ist, sich irgendwelchen Rechtsextremen anzuschließen. Und bei den Jugendlichen, bei denen dieses Gefühl nicht vorhanden ist, greift immer noch die Botschaft, dass jene, die sich Rechtsextremen anschließen, ausgegrenzt werden.

Beim Salafismus hingegen sieht das völlig anders aus: Seit Jahren schon erklären linkspolitisch korrekte Politiker der Bevölkerung, dass alles, was mit dem Islam zu tun hat, supi-prima-toll wäre. Auch ehemals christlich-konservative Medien wie die Rheinische Post oder die "Welt" machen da immer gerne mit - und wer Zweifel hat, gar widerspricht, der wird flugs von eben diesen Medien zum "Rechtsextremen" erklärt. Nicht zu vergessen jener ehemalige Bundespräsident, der - pauschal und undifferenziert - den Islam zum Teil Deutschlands erklärt hat. Kurz: Alles, was mit dem Islam zu tun hat, hat von unseren Medien und der Politik das Gütesiegel "unbedenklich" bekommen.

Und damit sind auch die Salafisten für gut befunden worden, denn man kann die Salafisten und den Islam nun einmal nicht voneinander separieren; Genauer betrachtet sind die Salafisten nichts anderes als der pure, unverfälschte Islam. Wer der Islam pauschal für unbedenklich erklärt, der erklärt auch - ob er das will oder nicht - den Salafismus für unbedenklich. Somit ist es, trotz aller Ähnlichkeiten von Rechtsextremismus und Salafismus, nur logisch, dass junge Menschen beim Salafismus nicht sensiblilisiert sind und eben kein Gefühl dafür haben, wie gefährlich und auch verwerflich es ist, sich einer solchen Ideologie anzuschließen. Hinzu kommt, dass es die Ausgrenzung, die es bei Rechtsextremen richtigerweise gibt, bei den Salafisten nicht gibt. Welchen Grund also sollten deutsche Jugendliche haben, sich nicht den Salafisten anzuschließen?

Nur ist das nichts anderes als das Resultat einer völlig verfehlten Politik - dazu jedoch ist in Florian Flades Beitrag natürlich kein einziges Wort zu finden. Unfreiwillig bestätigt haben seine Kollegen diese Analyse übrigens auch dadurch, dass sich die Redaktion von "Welt-Online" entschlossen hat, Leser-Kommentare zu seinem Beitrag gar nicht erst zu erlauben. Eine Mundtotmachung der Bürger, die bei allem, was mit dem Islam zu tun hat, in deutschen Medien längst zur Normalität geworden ist. Und spätestens an diesem Punkt haben wir die abschließende Gewissheit, dass es sich bei der "Hilflosigkeit", von der Florian Flade schreibt, in Wahrheit um Verlogenheit handelt. Eine Verlogenheit, an der Herr Flade und seine Kollegen alles andere als unbeteiligt sind.