Sonntag, 2. September 2012

"Muslime kündigen Bundesregierung"

"Muslime kündigen Bundesregierung" - unter dieser höchst bemerkenswerten Überschrift wird auf turkish-talk.com, der "Deutsch-Türkischen Community", über den aktuellen Streit zwischen dem Bundes-Innenministerium und den Islam-Verbänden debattiert.

Man fragt sich ganz erschrocken: Was bedeutet es, wenn die Muslime unserer Bundesregierung kündigen? Werden Aiman Mazyek und Kenan Kolat jetzt Frau Merkel und Herrn Friedrich deren Entlassungs-Urkunden überreichen? Wann werden die von den Islam-Verbänden bestimmten Nachfolger vereidigt? Viel schlimmer ist jedoch: Was bedeutet es für uns, wenn die Muslime unserer Bundesregierung kündigen? Werden die Muslime auch uns kündigen, so dass wir unsere Koffer packen und das Land werden verlassen müssen?

Vielleicht wäre es doch besser, wenn wir uns integrieren und der neuen Herrenrasse anpassen würden. Vielleicht sollte CSU-Innenminister Friedrich doch besser seine Plakataktion stoppen und sich stattdessen NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zum Vorbild nehmen: Anstatt einfach so zur Tat zu schreiten und etwas gegen Salafismus und Terrorismus zu tun, hat der - wie es sich für einen SPD-Politiker auch gehört - erst einmal die Islam-Verbände gefragt, ob diese damit auch einverstanden sind? Das muss auch sein, denn den Salafismus bekämpfen zu wollen, ist einfach eine Beleidigung des Islam. Und nachdem die deutschen Vertreter der "Ummah" Herrn Jäger diese Erlaubnis verweigert haben, hat er sich auch immer brav daran gehalten und bis heute noch nie etwas gegen die Herren Salafisten getan. Wie ein CSU-Innenminister einfach so damit anfangen kann, Salafismus und Terrorismus zu bekämpfen, ohne unsere neuen Herren vorher um Erlaubnis zu fragen, ist in keinster Weise nachvollziehbar.

Wenn uns jetzt Aiman Mazyek und Kenan Kolat eine Lektion erteilen, dann ist das zweifelsfrei unsere eigene Schuld: Seit Jahren schon beharren wir auf Grundgesetz und Frauen-Rechte, bestehen darauf, dass Salafisten und Terroristen in unserer Zivilisation nichts verloren haben. Ohne darüber nachzudenken, ob das nicht etwa die Gefühle der Muslime verletzt, völlig vergessend, dass nicht wenige der jungen Deutsch-Türken mit den Salafisten sympathisieren. Eine Entschuldigung für unser Verhalten gibt es nicht, denn die Politiker der nordrhein-westfälischen SPD und die Redakteure der Rheinischen Post haben uns immer und immer wieder verdeutlicht, wie wichtig es doch ist, dass wir Salafisten und Terroristen nur so weit kritisieren und in Frage stellen, wie dies auch das Einverständnis der Muslime trifft. Jetzt ist es an uns, diese Lektion zu lernen.

Wenn wir diese Lektion gelernt haben, dann zeigen sich die Islam-Verbände vielleicht gnädig, nehmen die Kündigung unserer Bundesregierung zurück und wir dürfen - Insch'allah - auch weiterhin hier leben. Und an die Sitten und Gesetze eines Landes muss man sich nun einmal überall anpassen - wir dürfen nicht ernsthaft erwarten, dass da für uns oder unsere Bundesregierung irgendeine Ausnahme gemacht wird!