Dienstag, 18. September 2012

Für die Salafisten läuft alles nach Plan

Nun ist es also soweit: Deutschland debattiert hysterisch darüber, ob eine unbedeutende Partei ein unbedeutendes Filmchen vorführen darf. Angeblich christlich-demokratische Politiker sprechen sich dafür aus, dieses zu verbieten, Ralph Giordano sagte gar in der linken taz, die pro-Bewegung sei eine "zeitgenössische Variante des National-Sozialismus". Dem kann man beipflichten oder auch nicht - viel entscheidender ist, dass wir im Moment genau das tun, was die Salafisten mit ihren Anschlägen der letzten Woche herbeimorden wollten: Wir diskutieren über die Einschränkung der Meinungsfreiheit zugunsten einer Religion. Angefangen von unseren Politikern bis hin zum islam-kritischen deutschen Internet reagieren alle wie Pawlowsche Hunde - man darf vermuten, dass die Herren Salafisten genau das auch so kalkuliert haben.

Wir merken nicht einmal, wie grotesk unsere Debatten sind: Wir tun so, als habe die pro-Bewegung dieses künstlerisch unbedeutende Filmchen verbreitet und so den islamischen Mob zum Morden und Niederbrennen von Botschaften animiert, traditionell geistig umnachtete Linke wie Jakob Augstein tun gar so, als stünde die jüdische Weltverschwörung hinter alledem - eine ekelhafte braune Soße, die der SPIEGEL sogar noch abgedruckt hat. Und zu allem Überfluss tun wir auch noch so, als sei der islamische Mob ja gar nicht dafür verantwortlich, wenn er Botschaften niederbrennt oder Botschafter ermordet - sondern immer nur derjenige, der ihn mit irgendwelchen Filmchen oder Karikaturen dazu "provoziert" hat. Was eine "Ja, so isser halt, der Muslim"-Denke offenbart, die nichts anderes ist als Rassismus.

Viel schlimmer ist jedoch, worüber wir alles nicht reden: Wir reden nicht darüber, dass es die Salafisten waren, die ein bis zum 8. September völlig unbekanntes Filmchen pünktlich zum 11. September im ägyptischen Fernsehen bekanntgemacht und auf YouTube verbreitet haben. Wir reden nicht darüber, dass es Salafisten waren, die das U.S.-Konsulat in Bengasi und die U.S.-Botschaft in Tunis niedergebrannt und dabei mehrere Menschen ermordet haben, auch nicht darüber, dass es Salafisten waren, die eine Al-Qaida-Flagge über der U.S.-Botschaft in Kairo gehisst haben.

Schon gar nicht wird darüber geredet, was gegen die Salafisten hierzulande getan werden muss, im Gegenteil: Nach der salafistischen Gewalt-Orgie in der arabischen Welt hat man jede Debatte darüber, was gegen Salafisten getan werden muss, sofort ängstlich beendet. Somit läuft für die Salafisten alles nach Plan - vermutlich sogar besser und erfolgreicher, als sie es sich vor ihren Angriffen erhofft hatten.