Mittwoch, 5. September 2012

Die Fernseh-Kritik

Sicherlich: Wenn das öffentlich-rechtliche Erziehungsfernsehen in Gestalt des ZDF eine Dokumentation zum islamischen Terrorismus ankündigt, dann hat niemand, der sich ernsthaft mit Salafismus und Terrorismus beschäftigt, eine sonderlich hohe Erwartungshaltung. Als Betreiber eines Anti-Salafisten-Blogs stellt man sich schon vorab widerwillig darauf ein, 45 Minuten seiner kostbaren Lebenszeit verschwenden zu müssen, nur um anschließend etwas darüber schreiben zu können - obgleich man an einem Dienstag zu dieser Sendezeit viel lieber auf Pro7 die Simpsons geguckt hätte.

Aber das, was uns ZDF-Terrorexperte Elmar Theveßen gestern Abend unter dem Titel "Deutschland in Gefahr?" vorgesetzt hat, war so unterirdisch, dass es selbst jene, die nun wirklich keine neuen Informationen davon erwartet haben, entsetzt hat: Für eine Dokumentation war es viel zu reißerisch, die ständigen Versuche des Produzenten, den Oliver-Stone-Stil zu kopieren, schon fast peinlich. Und inhaltlich war es nichts anderes als eine eher zusammenhanglose Aneinanderreihung fast aller linkspolitisch korrekten Märchen: Arid Uka und Mohamed Merah waren "selbstradikalisierte" Einzeltäter, die Salafisten sind nur eine kleine, extremistische Minderheit des Islam, die böse Bush-Administration war eine Folter-Regierung, die ständig gegen das Völkerrecht verstoßen hat und - last, but not least - Islam-Kritiker und Salafisten-Gegner sind allesamt böse Rechtsextreme, sozusagen potentielle Breiviks.

Kein einziges Wort zur Rolle unserer Islam-Verbände bei der (Nicht-) Bekämpfung des Salafismus in Deutschland, kein einziges Wort dazu, dass und warum nordrhein-westfälischen SPD-Politikern die Befindlichkeiten ständig beleidigter Islam-Funktionäre ganz offensichtlich näher stehen als die Sicherheit der deutschen Bevölkerung und natürlich schon mal überhaupt kein Wort dazu, dass in Bochum Anwohner in Angst leben müssen, weil eine desorientierte SPD-Oberbürgermeisterin und ein Gelsenkirchener Verwaltungsgericht es ermöglichen, dass ein gefährlicher Terrorist und Ex-Leibwächter von Osama bin Laden nicht abgeschoben wird.

Wie es sich für jedes gute Märchen gehört, wurde uns dann zum Schluss auch die Lösung präsentiert: Nämlich "liebevolle Aufklärung" darüber, dass 98% der Muslime liebenswerte Menschen sind, die ja mit den 2% Extremisten nichts gemein haben. Und damit auch wirklich kein Taschentuch trocken bleibt, kam dieser ultimative Lösungs-Vorschlag aus dem Munde jener Mutter, deren Sohn sich einer islamistischen Terror-Bande angeschlossen hat. Und die wenige Minuten vorher noch voller mütterlicher Überzeugung beteuert hat, "unser Andi" würde ja niemals Kirchen angreifen.

Dumm nur, dass ihr missratener Bengel genau das tut.