Dienstag, 3. Juli 2012

Von guten Nazis und guten Salafisten

Man stelle sich einmal vor, irgendein "Politik-Wissenschaftler" würde uns im öffentlich-rechtlichen Erziehungsfernsehen erzählen, wir mögen doch bitte zwischen verfassungsfeindlichen und nicht verfassungsfeindlichen Nazis unterscheiden: Verfassungsfeindliche Nazis seien z.B. NSU-Terroristen, die Migranten und andere einfach so abknallen - und die müsse man selbstverständlich zu Wasser, zu Lande und in der Luft bekämpfen. Aber die Nazis, die einfach nur friedlich ihren nationalen Sozialismus und/oder ihren Judenhass leben wollen, die einfachen NPD-Mitglieder zum Beispiel, seien natürlich nicht verfassungsfeindlich. Und deshalb könne man mit denen auch reden, die möge man bitte, bitte nicht aus dieser Gesellschaft ausgrenzen.

Nun, vermutlich müsste der Betreiber dieses Blogs dann nächtelang bei geschlossenem Fenster schlafen. Und zwar deswegen, weil das hysterische Geschrei, das nach einer solchen Aussage durch unsere Republik hallen würde, selbst nachts nicht verstummen würde. Umso erstaunlicher ist es, dass uns Islam-Besserwisser wie unsere liebe Freundin Claudia Dantschke oder Michael Kiefer ständig die Unterscheidung in "böse" (= jihadistische, verfassungsfeindliche) und in "gute" (= puristische, verfassungskonforme) Salafisten zumuten:

"Dem Islamwissenschaftler Michael Kiefer ist es generell wichtig, dass man die Salafisten nicht pauschal als radikal und gefährlich einstuft, sondern differenziert betrachtet: „Es gibt auch Formen des Salafismus, wie die sogenannten ,Puristen’, die überhaupt nicht verfassungsfeindlich sind“, sagt der Islamwissenschaftler. Es sind vor allem die Anhänger des radikalen „jihadistischen“ Salafismus, die der Verfassungsschutz weiter beobachten muss." (Quelle: wz-newsline, 01.07.12)

Aber bleiben wir nochmal kurz bei den Nazis: War wirklich jeder Nazi an der Judenvergasung beteiligt? War wirklich jeder Nazi ein Befürworter des Angriffskrieges? Nein, eben nicht. Es gab Millionen von Nazis, die beides nicht getan hätten. Das waren jene, die, als der Betreiber diese Blogs noch ein Kind war, ihm mit Sprüchen wie "Unterm Adolf war es gar nicht so schlecht, aber das mit den Juden und dem Krieg hätte er nicht tun sollen" mächtig auf die Nerven gegangen sind.

Nur war "das" mit den Juden und dem Krieg nun mal eben erst möglich, weil Millionen "friedlicher" Nazis jener "gewaltbereiten Minderheit" von Nazis begeistert hinterhergelaufen sind, die dann tatsächlich Juden vergast und Krieg angefangen hat.

Und so ist das auch mit den Salafisten: Natürlich ist nicht jeder Salafist ein Arid Uka oder ein Mohamed Merah - glücklicherweise nicht, denn wäre dem so, könnten wir in einer Stadt wie Mönchengladbach gar nicht mehr aus dem Haus gehen. Die Frage ist nur: Wären die Arid Ukas und die Mohamed Merahs dieser Welt auch dann noch vorstellbar, gäbe es nicht die rasant wachsende Masse jener Salafisten, die diese kranke Ideologie - selbstverständlich ganz puristisch und verfassungskonform - gut finden?

Nix gelernt aus der deutschen Geschichte, stimmt's, Herr Kiefer?