Donnerstag, 26. Juli 2012

Die Volksverdummung funktioniert nicht mehr

Die F.A.Z. wirbt seit Ewigkeiten mit dem schönen Spruch "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf". Und ganz früher war der Betreiber dieses Blogs sogar selber einmal Abonnent dieser Zeitung - aber das ist lange her. Heute wird man zuweilen das Gefühl nicht los, dass bei der F.A.Z. nur noch Redakteure sitzen, die auf irgendeiner "Erich-Honecker-Journalistenschule" mal gelernt haben, dass die wichtigste Aufgabe eines Journalisten darin besteht, dem dummen Volk die Welt so zu erklären, wie die jeweils herrschende Klasse das gerade wünscht. Und dass das dumme Volk sowieso jeden Blödsinn schluckt.

Anders jedenfalls kann man sich nicht erklären, wie und warum uns eine Redakteurin namens Karen Krüger am letzten Wochenende im einst lesenswerten Feuilleton der F.A.Z. die Gesprächs-Protokolle zwischen dem salafistischen Multimörder Mohamed Merah und einem muslimischen Polizisten, der ihn zur Aufgabe zu überreden versucht hat, als "Kammerspiel" zwischen dem guten, richtigen und dem bösen, salafistischen Islam präsentiert, bei dem "von Muslim zu Muslim" über den Islam und den Koran debattiert wurde (hier). Über dieses "Kammerspiel" mag man geteilter Meinung sein, der Betreiber dieses Blogs kann aus den Ausführungen Mohamed Merahs eigentlich nur herauslesen, dass Herr Merah nichts anderes gemacht hat, als den Koran ernst zu nehmen.

Vermutlich hätte dieser Beitrag auch nur minimale Resonanz hervorgerufen, hätte Frau Krüger ihn nicht mit dem Satz "Auf der ganzen Welt reagierten Muslime mit Abscheu auf Merahs Taten" beendet. Woran sich jedoch, wie die massiven Widersprüche bei den Leser-Kommentaren deutlich zeigen, außer Frau Krüger selber niemand erinnern konnte.

Aber dieser Unfug, den Frau Krüger in der F.A.Z. da abgelassen hat, ist eine gute Gelegenheit, eines einmal deutlich klarzustellen: Wenn Deutsche nach jedem salafistischen Terror-Anschlag aufmerksam verfolgen, wie die Muslime im Allgemeinen und Aiman Mazyek im Speziellen reagieren, ob sie Distanzierung, gar Abscheu zeigen oder nicht, dann hat das nichts damit zu tun, dass Deutsche böse Menschen mit anti-muslimischer Grundhaltung sind, die ständig nach etwas suchen, was man Muslimen entgegenhalten könnte. Und es ist auch kein spezifisch deutsches Verhalten. Es ist ganz einfach so, dass alle zivilisierten Menschen auf diesem Planeten am 11. September 2001 geschockt waren, als sie Fernsehbilder von freudig tanzenden Palästinensern sehen mussten. So etwas vergisst man nicht, dieses Ereignis hat überall in der westlichen Welt eine Sensibilisierung geschaffen, dahingehend, dass man sich die Reaktionen der Muslime nach Terror-Anschlägen aufmerksam anguckt. Und das ist auch gut so.

Schon gar nicht sind Deutsche Menschen, die - wenn dann Distanzierung und Abscheu mal wieder eher mäßig ausfallen - sich triumphierend hinstellen und Dinge sagen wie: "Ha! Haben wir's doch gewusst! Muslime finden es gut, wenn jüdische Kinder getötet werden!" Dass die Deutschen seit Jahren sehnsüchtig darauf warten, dass die Muslime dieser Welt nach solchen Terror-Anschlägen deutliche Zeichen von Distanzierung oder Abscheu zeigen, dürfte der Wahrheit da um einiges näherkommen. Genauso übrigens, wie sich die Mönchengladbacher Salafisten-Gegner immer sehnsüchtig gewünscht hätten, dass sich die Muslime dieser Stadt glaubwürdig von den Salafisten distanzieren - oder sich gar an den Protesten gegen diese beteiligen. Und hätte es nach 9/11 oder dem grausamen Terror-Anschlag Mohamed Merahs tatsächlich signifikante und glaubwürdige Zeichen von Distanzierung und Abscheu gegeben, so wäre vermutlich eine Welle der Erleichterung durch ganz Deutschland gegangen.

Aber wo keine wirkliche Abscheu ist, da sollte man auch nicht versuchen, eine solche herbeizuschreiben. Denn wer Dinge herbeizuschreiben versucht, die - für jedermann ersichtlich - gar nicht existieren, der macht sich nur lächerlich. Und wenn Frau Krüger oder andere Redakteure der F.A.Z. tatsächlich glauben, das dumme Volk würde schon jeden Blödsinn schlucken, dann befinden sich die Redakteure dieser Zeitung längst in jenem Irrtum, in dem sich anno 1989 die Schreiberlinge von Herrn Honecker befunden haben.