Freitag, 13. Juli 2012

Das Märchen vom "guten" Salafisten, Folge 37

"Seitdem ist es still geworden um die islamischen Extremisten. Fragt sich nur wie lange. "Die Auseinandersetzung mit dem Salafismus hat erst begonnen", sagt Guido Steinberg, Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. "Millatu Ibrahim hat offen Werbung für al-Qaida gemacht. Viel schwieriger ist der Umgang mit den Salafisten, die den Dschihad befürworten, das aber nicht offen äußern." (Quelle: Qantara.de, 11.07.12)

Der Aussage von Herrn Steinberg, dass die eigentliche Herausforderung jene Salafisten sind, die den Jihad befürworten, dieses aber nicht offen äußern, ist leider zuzustimmen. Der Betreiber dieses Blogs ist schon lange der Meinung, dass diese Salafisten ungleich gefährlicher sind. Oder, um es mal etwas profaner zu formulieren: Hunde, die beißen, sind immer gefährlicher als Hunde, die nur bellen.

Bemerkenswert an der Aussage von Herrn Steinberg ist jedoch etwas anderes: Dass man die Salafisten in zwei Gruppen unterteilen kann, in jene, die den Jihad offen befürworten und in jene, die den Jihad befürworten, dieses aber nicht offen zeigen, ist nichts wirklich Neues. Inzwischen sollte jeder, der sich mit der deutschen Salafisten-Szene auch nur ein bisschen auskennt, in der Lage sein, jede Gruppierung und jede öffentlich agierende Person klar der einen oder der anderen Gruppe zuzuordnen.

Neu ist jedoch, dass endlich einmal jemand den Mut hat, diese Unterscheidung auch klar und deutlich zu benennen. Denn bislang hatten wir es immer nur mit linken "Islamismus-Experten" zu tun, die uns dieses Märchen von "guten" und "bösen" Salafisten zugemutet haben. Oder gar mit dem lächerlichen Unfug eines Heribert Prantl, der in der Süddeutschen Zeitung von dem Salafismus geschwafelt hat, der "zu Deutschland gehöre" - mit Ausnahme des "radikalen" Salafismus, der natürlich nicht zu Deutschland gehöre.

Dass die Auseinandersetzung mit dem Salafismus gerade erst begonnen hat, mag so sein. Was - am Rande bemerkt - übrigens auch bedeutet, dass jene mutigen Mönchengladbacher Bürger, die sich 2010 zum Protest gegen die Salafisten zusammengefunden haben, ihrer Zeit weit voraus waren. Und im Moment können wir darüber, wohin uns diese Auseinandersetzung noch führen wird, nur spekulieren.

Eines jedoch sollte jetzt schon klar sein: Salafisten, die den Jihad befürworten, dieses aber öffentlich verleugnen und nach jedem Terror-Anschlag eines Arid Uka oder Mohamed Merah ihre Hände öffentlich "in Unschuld waschen", automatisch als "gute" und "friedliche" Salafisten einzustufen, ist krankes und perverses Denken. Es ist nichts weiter als das Wunschdenken linker Islam-VersteherInnen - nicht mehr und nicht weniger.

Allerdings ein hochgefährliches Wunschdenken. Oder wie sollen wir es sonst verstehen, dass Arid Uka wie auch Mohamed Merah vor ihren mörderischen Anschlägen Kontakte zu sogenannten "guten" Salafisten hatten?