Sonntag, 11. März 2012

Der Journalismus der "Rheinischen Post", Folge 738

"Der NRW-Verfassungsschutz beobachtet den salafistischen Verein "Muslime aktiv" in Münster. Das teilte das Innenministerium des Landes auf eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Josef Rickfelder mit. Die Internetseite des Vereins habe Ähnlichkeiten mit der des aufgelösten Mönchengladbacher Salafisten-Vereins "Einladung zum Paradies" (EZP). Außerdem habe der Dawa-Verlag, der die Internetseite des islamistischen Predigers Pierre Vogel betreibt, seinen Sitz in Münster. Rickfelder sprach sich für ein Vereinsverbot aus. Die Rheinische Post hatte Anfang Januar erstmals auf Parallelen zwischen EZP und "Muslime Aktiv" hingewiesen, nachdem Protagonisten der Mönchengladbacher Salafisten-Szene wiederholt in Münster gesichtet worden waren." (Quelle: RP-Online, 10.03.12)

Na ja, die Darstellung, dass ausgerechnet die Rheinische Post "erstmals" auf Verbindungen der Mönchengladbacher Salafisten zum Münsteraner Salafisten-Verein "Muslime Aktiv" hingewiesen hat, ist vielleicht nicht so gaanz zutreffend - denn im November hatten schon verschiedene Internet-Blogs darauf hingewiesen, u.a. auch in diesem Blog-Beitrag vom 27.11.11. Das, was dann in dem RP-Online-Beitrag vom 10.01.12 zu lesen war, hätten böse Menschen eher als eine Zusammenfassung dessen begriffen, was im Internet alles längst bekannt war.

Aber ich bin ja kein böser Mensch - also gehe ich mal davon aus, dass die Redakteure der Rheinischen Post so ganz zufälligerweise genau das gleiche recherchiert haben, wie irgendwelche Blog-Betreiber - nur eben Monate später. Aber den dezenten Hinweis, dass außer der Forderung des CDU-Landtagsabgeordneten Josef Rickfelder nach einem Vereinsverbot nur Altbekanntes in dem gestrigen Beitrag von RP-Online zu finden ist, kann ich mir einfach nicht verkneifen.

Wie dem auch sei: Wenn ausgerechnet die Redakteure solcher Medien wie der Rheinischen Post und RP-Online, die in der jüngeren Vergangenheit in Sachen Salafisten lediglich durch die Mundtotmachung ihrer eigenen Leser aufgefallen sind (hier, hier und hier), jetzt plötzlich so tun, als seien sie investigative Journalisten, dann ist das einfach nur noch . . . . . . . peinlich!

Denn wären die Redakteure der Rheinischen Post wirklich investigative Journalisten, dann hätten sie schon längst bei der Staatsanwaltschaft nachgefragt, was denn aus der letztjährigen Karnevals-Schlägerei geworden ist, warum die Staatsanwaltschaft der Meinung ist, dass Abhör-Protokolle des LfV NRW keinen hinreichenden Brandstiftungs-Tatverdacht begründen und warum der Schläger vom 24. Juni immer noch nicht angeklagt wurde? Oder sie hätten mal bei der Masjid-Arrahman-Moschee nachgefragt, in was die Eickener Salafisten da eigentlich "re-integriert" werden - und wie salafistische Propaganda auf die Internet-Seite von Masjid-Arrahman gekommen ist?

Aber warum nachfragen und recherchieren, wenn man sich das Leben auch einfach machen und abtippen kann, was andere liefern?