Dienstag, 31. Januar 2012

Von Böcken und Gärtnern I

Leider muß ich noch einmal auf die Geschichte mit der am 25.01.12 gegründeten Berliner "Bürgerplattform" namens "Wir in Neukölln" zurückkommen; Der Betreiber dieses Blogs ist ja nur deshalb auf diese merkwürdige Geschichte aufmerksam geworden, weil sich da so ganz "spontan" auch die Herren Salafisten von der Berliner Al-Nur-Moschee zum Mitmachen bereit erklärt haben - was immer da auch unter "Mitmachen" zu verstehen ist.

Inzwischen jedoch hat die - nicht gerade rechtspopulistische - Internet-Seite indymedia.org Informationen veröffentlicht, die darauf deuten, dass bei "Wir in Neukölln" noch mehr Merkwürdiges stattfindet. Aber zum besseren Verständnis hier erst einmal die Liste aller Organisationen, die sich bei "Wir in Neukölln" zusammengeschlossen haben:

AKM (Alle Können Mitmachen) - Neukölln
Al-lrshad e.V.
Bengalische Gemeinden (Baitul Mukarram u. IFG -
Islamic Forum of Germany e.V.)
Britzer Garten e.V.
Community Channel Europe e.V.
Deutsche Jugend für Palästina
Ev. Kirchengemeinde Alt-Buckow
Ev. Kirchengemeinde Martin-Luther
Ev. Kirchengemeinden Martin-Luther-King und Gropiusstadt Süd
Ev. Kirchengemeinde Nikodemus
Förderverein der Peter-Petersen Grundschule
Freie Neuköllner
Gazi Osman Pasa Moschee
Gemeinsam für Berlin e.V.
Haus der deutsch-arabischen Jugend
Huda e.V. - Hindernisse Ueberwinden Durch Austausch
IGMG - Islamische Gemeinschaft Milli Görüs Landesverband
IKEZ- Islamisches Kultur- und Erziehungszentrum e. V. Berlin
IPZ - Internationales Pastorales Zentrum
Islamisches Zentrum Imam Riza e.V.
Kath. Kirchengemeinde St. Christophorus
Kath. Kirchengemeinde St. Clara
Kath. Kirchengemeinde St. Richard
Malteser Familienzentrum Manna
NBS - Neuköllner Begegnungsstätte
Palästinensische Gesellschaft für Menschenrechte und Rückkehrrecht e.V.
Pallotti Mobil - Bedürftige helfen Bedürftigen
Rütli Wear e.V.
UBC - United Brethren in Christ Church

Auf der Gründungsveranstaltung meldeten sich noch „spontan“ zwei Moschee-Vereine, eine davon die
Al-Nur-Moschee.

(Quelle: indymedia.org, 27.01.12)

Was bei dieser Teilnehmer-Liste natürlich sofort auffällt: Es ist keine einzige jüdische Gemeinde dabei. Was aber auch nicht gerade verwunderlich ist, denn die Teilnehmer-Liste liest sich nicht gerade wie eine Runde, in welcher Juden soo dolle willkommen sein dürften?

Fangen wir an mit Milli Görüs: In der Presse-Berichterstattung zu "Wir in Neukölln" ist hier und hier von einer Frau Ayse Erygit die Rede - man könnte den Eindruck bekommen, dass Frau Erygit bei "Wir in Neukölln" eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Aber lediglich der Tagesspiegel erwähnt beiläufig, dass es sich bei Frau Erygit um eine Vertreterin von Milli Görüs handelt. Darauf, dass die Verbindungen von Milli Görüs und "Wir in Neukölln" scheinbar sehr eng sind, deutet auch, dass laut indymedia ein Treffen von "Wir in Neukölln" zur "Themenfindung" am 13.03.12 nicht irgendwo stattfindet - sondern in den Geschäftsräumen von Milli Görüs.

Zu Milli Görüs muß man eigentlich nichts mehr sagen, aber trotzdem würde ich da gerne noch einmal auf den jüngsten Antisemitismus-Bericht der Bundesregierung verweisen, welcher sich eingehend mit Milli Görüs beschäftigt hat: Dem geneigten Leser sei die Lektüre dieses Berichtes ab Seite 40/41 sehr empfohlen.

Ganz besonders interessant scheint mir in diesem Zusammenhang auch die Antwort, die Heinz Fromm, Präsident des Verfassungsschutzes, dem Tagesspiegel am 17.02.11 auf die Frage gegeben hat, ob sich Milli Görüs auf einem "Wege der Mäßigung" befände:

"Man soll die Hoffnung nie aufgeben, aber ich kann bisher nicht erkennen, dass die Reformkräfte, die es in der Organisation ja gibt, eine Chance haben, die Richtung bestimmen. Den Ton geben weiterhin diejenigen an, die dem ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Necmettin Erbakan und seiner islamistischen Ideologie verbunden sind. Erkennbar sind nach wie vor anti-jüdische Ressentiments und – ganz praktisch - die Unterstützung islamistischer Organisationen im Ausland, vor allem der terroristischen HAMAS bei ihrer Auseinandersetzung mit Israel. Diese Unterstützung wird als humanitäre Hilfe für die Palästinenser deklariert, wie am Beispiel der deutschen „Internationalen Humanitären Hilfsorganisation e.V.“ (IHH) deutlich geworden ist, die der Bundesinnenminister im Juli 2010 verboten hat."

Man kann es einfach drehen und wenden, wie man will: Milli Görüs scheint nicht irgendeine von insgesamt 31 an "Wir in Neukölln" teilnehmenden Organisationen zu sein; Was bis jetzt im Internet und in der Presse zu lesen war, wirft vielmehr die Frage auf, ob Milli Görüs bei "Wir in Neukölln" eine dominante Rolle spielt?

Aber die Rolle von Milli Görüs ist leider nicht das einzige, was bei "Wir in Neukölln" höchst merkwürdig zu nennen ist. Abgesehen von dem seltsam "spontanen" Entschluß der Herren Salafisten da auch noch mitmachen zu wollen, gibt es auch noch auffällige Bezüge zur "Linkspartei" und zu Palästinenser-Organisationen.

Fortsetzung folgt.

1 Kommentar:

  1. Milli Görüs in Berlin-Neukölln:

    "Wenn man gemeinsam Themen angehen wolle, müsse man sich kennen- und verstehen lernen. "Ich war durch die Bürgerplattform das erste Mal in einer Moschee", sagt Hansing. Die andere Welt.

    In einer solchen lebt Ercan Yilmaz. 400 Meter von der hippen Welt der Pflügerstraße entfernt. Im zweiten Hinterhof am Kottbusser Damm. Dutzende Männer kommen vom Gebet aus einer Moschee im dritten Hinterhof. Der 42-jährige Yilmaz arbeitet für die Islamische Gemeinde Milli Görüs (IGMG). Hier trinkt man Tee. Frauen geben Männern nicht die Hände. Der Verfassungsschutz interessiert sich für das, was die bundesweite Milli-Görüs-Bewegung macht, er nennt sie "islamistisch".

    Auch Yilmaz' Islamische Gemeinde wird Teil der Bürgerplattform Neukölln sein. "Wir sind nicht gefährlich", sagt Yilmaz. Für ihn ist die Bürgerplattform mit den zu größten Teilen evangelischen, katholischen und muslimischen Gemeinden eine Chance, das zu schaffen, "woran wir alleine gescheitert sind": eine Brücke zu bauen zwischen diesen Welten – und das sind für ihn nicht nur Migranten und Deutschstämmige, sondern auch die verschiedenen Welten Nordneukölln – mit seinen vielen Türken und Studenten – und Südneukölln, wo die rechtsextreme NPD bei der Abgeordnetenhauswahl im vergangenen Herbst in einigen Bezirken mehr als elf Prozent der Stimmen holte.

    http://www.welt.de/regionales/berlin/article13827249/Neue-Buergerplattform-fuer-die-Welten-Neukoellns.html

    ... bei der Feststellung aus Neukölln wundert es mich nicht, dass elf Prozent der NPD für das Abgeordnetenhaus gewählt wurden.

    AntwortenLöschen