Freitag, 20. Januar 2012

Arid Uka und die bosnischen "Sommercamps"

"Der islamistisch aufgeheizte Attentäter vom Frankfurter Flughafen ist möglicherweise in einem Sommercamp in Bosnien an der Waffe ausgebildet worden. Dafür habe ein Journalist Anhaltspunkte, sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag vor dem Frankfurter Oberlandesgericht (OLG)."
(Quelle: BILD.de, 19.01.12)

"Sommercamp"? Ist es nicht geradezu rührend, mit welchen Vokabeln Ausbildungslager für islamistische Terroristen verharmlost werden?

Aber lesen wir erst einmal weiter, was der Vorsitzende Richter noch gesagt hat:

"Wenn das stimmen sollte, müssen wir davon ausgehen, das vor uns ein an der Waffe ausgebildeter islamistischer Terrorist sitzt", sagte der Vorsitzende.

Soweit die Ausführungen des Richters am OLG. Leider jedoch hat die gestrige Verhandlung nicht die Aufklärung gebracht, die sich viele Salafisten-Gegner davon erhofft haben - denn der Journalist, der diese Geschichte recherchiert hat, konnte wegen Krankheit nicht aussagen.

Was aber nichts an seiner Geschichte ändert: In dem Beitrag "Einsamer Wolf" von Franz Feyder war jedenfalls schon am Montag in den Stuttgarter Nachrichten zu lesen, dass Uka sich zum fraglichen Zeitpunkt als "Abu Reyyan" (Ukas Name im Internet) wohl im bosnischen Zeneca aufgehalten hat - denn Anwohner erinnern sich noch daran. Und das Zeneca bekannt ist für seine "Sommercamps", in denen Jugendliche in einer "besonders konservativen Auslegung des Islam" unterwiesen werden - und "besonders konservative Auslegung des Islam" ist nun mal nichts anderes als die verharmlosende Umschreibung für den Salafismus. 

Ferner legen Lageberichte der NATO und der EUFOR nahe, dass in diesen Lagern auch "militärische Grundfertigkeiten" vermittelt werden - was im Übrigen auch eine Erklärung dafür wäre, wie es Uka, der ja vor seinem Anschlag angeblich niemals geschossen hat, gelingen konnte, allen Opfern gezielt in den Kopf zu schießen.

Uka selber bestreitet natürlich in einem solchen Camp gewesen zu sein; Er behauptet, er sei zum fraglichen Zeitpunkt bei seiner Familie im Kosovo gewesen.

Eine Beamtin des BKA hingegen sagte gestern aus, dass die Ermittlungen des BKA keinerlei Anhaltspunkte für einen solchen Aufenthalt gefunden hätten. Mit Verlaub: Es wäre nun wirklich nicht das erste Mal, dass das BKA irgendwas Wichtiges nicht ermittelt hätte. 

Ganz besonders beunruhigend finde ich übrigens, wenn ich im amerikanischen Internet lesen muß, dass die Anklage im Prozeß gegen Uka (also die Bundesanwaltschaft) von diesen Dingen Kenntnis hatte - aber "nicht authorisiert" war, sie in diesem Prozeß vorzutragen. Denn das Ukas Verbindungen zu den Salafisten wie auch die Frage, ob sich diese auch auf die bosnischen Salafisten erstreckte, in diesem Prozeß immer außen vor blieben, war schon immer sehr, sehr merkwürdig. Genauso merkwürdig übrigens wie die Tatsache, dass uns sämtliche Ermittlungs-Ergebnisse in Sachen Arid Uka wie auch die Geschichte vom angeblichen "Einzeltäter" bereits einen Tag(!) nach diesem schrecklichen Anschlag präsentiert wurden.

Im Moment bleibt uns wohl nichts anderes, als Herrn Feyder baldige Genesung zu wünschen, damit er am 2. Februar mit einer Aussage über seine Recherchen Klarheit in diese Geschichte bringen kann. Und die wäre auch sehr wünschenswert, denn nach den Vorgängen um die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft und der höchst seltsamen Einstellung des Verfahrens wegen Brandstiftung gegen Sven Lau hat man nun erneut das sehr unschöne Gefühl, ob selbst unsere Anklage-Behörden einfach alles, was mit Salafisten & Co. zu tun hat, immer nur "unter den Tisch gekehrt" wissen wollen?

Kommentare:

  1. Wer sich nur mit Rechtsradikalen beschäftigt,
    aber nicht mit dem radikalen Islamismus,
    der wird eines Tages eines besseren belehrt.
    Wer seine Augen vor beidem verschließt,
    macht sich schuldig. Auch wer nur ein Auge vor beiden verschließt, kann nicht besser sein!

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