Dienstag, 19. Juli 2011

Wie bitte - ein "Marketing-Gag"?

Zumindest eines muß man Pierre Vogel lassen: Für Überraschungen ist er immer gut. Jetzt verblüfft er uns mit der Behauptung, seine Ankündigung in Frankfurt ein Totengebet für Osama bin Laden abzuhalten zu wollen, sei nur "ein Marketing-Gag" gewesen, "um viele Leute anzulocken" (hier).

Gehen wir einen Moment mal von der theoretischen Annahme aus, Pierre Vogel sagt die Wahrheit - und seine Ankündigung eines Totengebets für Osama bin Laden war tatsächlich nur ein "Marketing-Gag". Wenn dem so gewesen sein sollte, reden wir über einen zutiefst geschmacklosen "Marketing-Gag". Denn es handelte sich um nicht weniger als die Ankündigung eines Totengebets für den schlimmsten Massenmörder der jüngeren Geschichte.

Viel interessanter jedoch fände ich in diesem Fall die Frage: Welche Art von Leuten wollte Herr Vogel damit "anlocken"? Das wäre dann ja sehr aussagekräftig dahingehend, bei welcher Klientel Salafisten nach Anhängern suchen?

Dummerweise jedoch glaube ich Herrn Vogel nicht, das es sich hierbei nur um einen "Marketing-Gag" gehandelt hat. Denn erstens sind Al-Qaida und natürlich auch Osama bin Laden zu sehr vom Salafismus beeinflußt - ein Totengebet für einen "Glaubensbruder" hätte da schon Sinn gemacht.

Zweitens scheint mir ein Zusammenhang doch sehr offensichtlich: Pierre Vogel nimmt ja gerne für sich in Anspruch, er würde gegen Terrorismus reden. Warum ich das nicht für glaubwürdig halte, habe ich ja bereits in früheren Kommentaren zum Ausdruck gebracht (z.B. hier). Und gerade in den letzten Wochen haben die Medien dieses ebenfalls zunehmend bezweifelt - und sich dabei u.a. auch auf seine Ankündigung eines Totengebets für Osama bin Laden bezogen. Da paßt es nur zu Herrn Vogel, sich mit Hilfe einer billigen Ausrede mal wieder ganz geschickt aus der Affäre zu ziehen - oder es zumindest zu versuchen.

Trotzdem hätte ich eine bessere Ausrede erwartet - die mit dem "Marketing-Gag" ist selbst für seine Verhältnisse erschreckend schwach. Aber gut, das die für den 24. Juli geplante Veranstaltung inzwischen abgesagt wurde.